Der Garten

 

Seit 2020 treffen sich Studierende und Anwohner*innen unweit des Wissenschaftsgartens am Campus Riedberg regelmäßig an einem Spazierweg zwischen Apfel- und Mirabellenbäumen. Sie eint die Idee, die Streuobstwiese im Sinne der Permakultur, einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Gartenbautechnik, nutzen und bewirtschaften zu wollen. Grundlage dafĂĽr ist ein respektvoller Umgang mit der Naturder auf dem Beobachten und Verstehen natĂĽrlicher Prozesse und Systeme, deren Vernetzung und Wechselwirkungen basiert. Im Kern wird in dem landwirtschaftlichen Konzept die Komplexität natĂĽrlicher Ă–kosysteme und Habitate mit all ihren Synergien und Nutzpflanzen zu modellieren versucht. Topographien und geobotanische Pflanzengemeinschaften werden nachgebaut. Biologische und geologische Prozesse beobachtet. Lebensräume von Wildtieren und Wildpflanzen werden geschĂĽtzt und mit dem ökologischen Anbau von Lebensmitteln verbunden. Strategien nachhaltig ökologischen, urbanen Gartenbaus werden getestet und diskutiert. Besuche im Garten und das aktive Gärtnern leisten einen Beitrag zur psychischen Erholung und Resilienzgewinnung.

Auf der Streuobstwiese am Riedberg begegnen die Gärtner*innen zahreichen Herausforderungen wie z.B. stetig nachwachsende, wuchernde Brombeerranken, Unebenheiten im Boden, Hasen mit einer besonderen Vorliebe fĂĽr Saatgut und Jungpflanzen, Hitze und DĂĽrre in den Sommermonaten sowie das Fehlen eines Wasser- und Stromanschlusses, die harte körperliche Arbeit erforderlich machen. Mit Spitzhacken den Boden aufzulockern, auf unbefestigtem Untergrund Wasser von Regenwasserauffangbecken zu den Beeten zu transportieren oder mit Schubkarren Kompost zu befördern mag fĂĽr physisch fitte Menschen kein Problem darstellen, die Teilhabe beeinträchtiger Menschen am naturnahen Gärtnern nach Permakultur wird damit jedoch stark eingeschränkt. Bauliche Ă„nderungen sind auf der als Streuobstwiese deklarierten Fläche jedoch nur bedingt realisierbar. 

Nachfolgend werden die Elemente des Permakulturgartens am Campus Riedberg erläutert.

 

Das Foto zeigt Ă„pfel, die im Sommer 2022 im Permakulturgarten am Campus Riedberg geerntet wurden.

Streuobst(wiese)

Vielerorts wurde extensiver Obstbau in traditioneller Weise in Form von Streuobstbau auf Streuobstwiesen unweit von Siedlungen und Höfen betrieben, die von verschiedenen Arten und Sorten hochstämmig wachsender Obstbäume geprägt waren (NABU, o.J.). Ein GroĂźteil der Streuobstwiesen fiel dem Ausbau von Siedlungsflächen und der Mechanisierung der modernen, von Monokultur geprägten Landwirtschaft „zum Opfer“, sodass in Hessen auf einer Gesamtfläche von rund 9.100 Hektar (Stand 2006) nur noch 17.500 Streuobstbiotope existieren (HKUKLV, 2022). Charakteristisch fĂĽr Streuobstwiesen ist deren Mehrfachnutzung im Sinne einer Synnergie aus Unter- und Obernutzung. Während oben am Baum Ă„pfel, Mirabellen oder Kirschen reifen, grasen Schafe, Ziegen oder KĂĽhe in deren Schatten. Streuobstwiesen beherbergen eine Vielzahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten,sind natĂĽrlicher Lebensraum fĂĽr zahlreiche Vogel-, Insekten- und Reptilienarten und deshalb besonders schĂĽtzenswert (ebd.). Der Permakulturgarten am Riedberg befindet sich auf einer Streuobstwiese, die von alten Apfelbaum-beständen geprägt ist. Trotz länger andauernder Trockenheit in den Sommermonaten fällt die Apfelernte am Riedberg ertragreich aus und beschert dem Gartenteam im Herbst reichlich Arbeit.

Bildquelle: eigene Aufnahme

Totholzhecke

Auf einer Totholzhecke werden Totholz wie Baum- und Strauchschnitt, Reisig und Holzhäcksel zwischen zwei Pfostenreihen locker aufgeschüttet, um verschiedensten Mikroorganismen, Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum zu bieten. (NaBu, o.J.). In frischem Holzschnitt finden sich wichtige Nährstoffe, die Insekten wie Käfer, Wespen und Bienen als Erst-besiedler des Totholzhaufen einladen, sich durchs Holz zu fressen. Die dabei entstehenden Löcher nutzen Bestäuberinsekten, um ihre Larven abzulegen. In den Hohlräume wachsen Pilze, die zur Holzzersetzung beitragen. Im Schutz der Hecke überwintern Igel. Vögel ruhen sich ungestört aus. Unter den auf dem Boden aufliegenden Stämmen siedeln sich Bodentiere wie Asseln, Schnecken und Regenwürmer an. Die im Totholz lebenden Insekten locken Vögel, Kleinsäugetiere (Mäuse, Fledermäuse etc.) und Amphibien (Frösche, Kröten, Echsen etc.) an, die zwischen den Hölzern brüten und niesten. Deren Ausscheidungen wiederum enthalten Pflanzensamen, die im Milieu des Totholzes auf günstige Keimbedingungen treffen. Totholzecke bieten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum, der in kommerziellen Wäldern und Gärten zugunsten von Struktur und Ordnung zerstört wird (NaBu, o.D.). Die Totholzhecken im Permakulturgarten am Campus Riedberg erfüllen verschiedene Funktionen, sie beheimaten Insektenhotels und grenzen den Garten vom Campus ab.

Bildquelle: eigene Aufnahme

Das Foto zeigt eine Totholzhecke des Permakulturgartens am Campus Riedberg.
Das Foto zeigt ein Strohbeet des Permakulturgartens am Campus Riedberg.

Strohbeet

Ein Strohbeet besteht aus an- und nebeneinander aufgereihten Strohballen, die Mulch oder mit Kompost ange-reicherten Mutterboden umranden oder diesen ganz ersetzen. In beiden Varianten zersetzt sich das Stroh mit der Zeit1. Dabei entstehen Nährstoffe, die an den Boden bzw. das Stroh abgegeben und von den Pflanzen aufgenommen werden. Stickstoff jedoch muss mittels Holzspänen, tierischem Mist, Horngries, Guano oder Brennesseljauche zugeführt werden.

Strohbeete, die ohne Mutterboden auskommen, eignen sich besonders für den Anbau von Pilzen, Erdbeeren, einjährigen Kräuter- und Gemüsearten wie z.B. Kürbisse oder Paprika und flach wurzelnde Kulturen wie Radieschen, Rote Rüben, verschiedenste Kohl- und Salatsorten. Beete, die von Strohballen lediglich umrandet sind, sind langlebiger als jene ohne Mulch oder Mutterboden und eignen sich eher für flach- und tief wurzelnde Kulturen, nicht aber Pilze.

Bildquelle: eigene Aufnahme

Insektenhotel

Zum Schutz der Artenvielfalt stehen vielerorts Insektennisthilfen bzw. -hotels. Entscheidend dafür, dass Insekten tatsächlich einziehen und das Haus bewohnt wird, ist die Materialauswahl. Wasserundurchlässige Materialien wie Glas sind zwar vorteilhaft, um den Insekten beim Nisten zuzuschauen, fördern aber auch die Pilzbildung im Inneren, weshalb sie sich für den Bau von Insektenhotels nicht eignen. Unbehandelte Naturmaterialien wie z.B. Holz, Bambus, Ton, Reisig oder Tannenzapfen, leere Schneckenhäuser und Totholz eignen sich hingegen besonders gut (NaBu, o.J.). Zum Schutz vor Fressfeinden sind außen angebrachte Netze oder Drahtgeflechte, die den Insekten das Durchkommen ermöglichen, den Vögeln jedoch den Eintritt in das Hotel verwehren sinnvoll.

Bildquelle: eigene Aufnahme

Das Foto zeigt eine Insektenhotel des Permakulturgartens am Campus Riedberg.
Das Foto zeigt eine Kräuterspirale des Permakulturgartens am Campus Riedberg.

Kräuterspirale

In Kräuterspiralen wachsen und gedeihen verschiedene Kräuter auf engem Raum. Dies liegt an der auĂźergewöhnlichen Anordnung des Beets. Anders als klassische Kräuterbeete ermöglicht der spiralförmige und zur Mitte leicht ansteigende Aufbau die Simulation von unterschiedlichen Feucht- und Klimazonen. Die Kräuterspirale ist eingefasst von einer spiralförmigen StĂĽtzmauer aus Natursteinen. Unten ist die Spirale nach SĂĽden hin geöffnet. Der Untergrund der Spirale ist an die einzelnen Zonen des Beets und die Bedarfe der Planzen angepasst. Mediterrane Kräuter fĂĽhlen sich im trockenen, hoch gelegenen und nährstoffarmen Zentrum der Spirale am wohlsten. Am auslaufenden Ende der Spirale sorgt Kompost fĂĽr feuchten und nährstoffreichen Boden, auf dem Minze, Koriander, Zitronenmelisse, Estragon und Schnittlauch gedeihen. Dazwischen wachsen Petersilie, Basilikum und Bärlauch.

Bildquelle: eigene Aufnahme

Kompost

Ein Komposthaufen erfüllt im Garten zweierlei Funktionen. Zum einen bietet er Platz für die angefallenen Garten- und Schnittreste, zum anderen wandelt er diese im Laufe der Zeit zu wertvollem Biodünger um. Beim Anlegen eines Komposts ist auf die richtige Schichtung zu achten. Ganz unten sollten Jute und Reisig, gefolgt von Laub, kleinen Ästen und Rasenschnitt gelagert werden. Obendrauf kommen Garten- und Küchenabfälle. Schichtet man so direkt beim Anlegen des Komposts, beginnt die Kompostierung sofort. Mithilfe von ausreichend Sauerstoff, Wasser und warmen Temperaturen werden bei der sogenannten Rotte organische Substanzen abgebaut, wodurch wiederum Wärme entsteht. Nach dieser ersten Phase sinken die Temperaturen wieder und die Humusbildung wird angeregt. Dieser kann schließlich als natürlicher Dünger für den Garten verwendet werden. Wird der Komposthaufen erst nach und nach geschichtet, entstehen weniger hohe Temperaturen, sodass die Kaltrotte erst nach über einem Jahr beginnt.

Bildquelle: Ein Bild aus dem Garten folgt in KĂĽrze

Wurmkomposter

Eine alternative und platzsparende Lösung zur Kompostherstellung bietet der Wurmkomposter, der in Gärten, auf Balkonen oder sogar in Wohnungen zu finden ist, um Küchen- und Gartenabfälle in Humus zu verwandeln. In einem Wurmkomposter, der in einem Permakulturgarten beispielsweise in einer alten Badewanne zu finden ist, leben unzählige Kompostwürmer, die nicht mit den Regenwürmern zu verwechseln sind. Sie ernähren sich von Lebensmittelresten und scheiden wertvollen Wurmtee aus, der nährstoff-, pilz- und bakterienreich ist, und als Dünger für Pflanzen verwendet werden kann. Der Wurmtee kann dabei mithilfe eines PVC-Rohrs, welches in den Abfluss der Wurmbadewanne gebaut wird, in einem Eimer aufgefangen werden. Dazu sollte die Badewanne auf zwei Stützen ca. 30 cm über dem Boden leicht Richtung Abfluss geneigt aufgestellt werden. Damit der Wurmkomposter ausreichend belüftet wird, verläuft das PVC-Rohr vom Abfluss einmal quer durch die Badewanne und endet dort oberhalb des Komposts. In das Rohr gebohrte Löcher lassen den Wurmtee abfließen und belüften zugleich den Kompost. Es empfiehlt sich, den Kompost jeweils nur einseitig zu verwenden, nach dem Kompostieren als Dünger verwendet werden kann, während die andere kompostiert.

Bildquelle: Ein Bild aus dem Garten folgt in KĂĽrze

 

Autor*innen (in alphabetischer Reihenfolge): Aktives Gartenteam, Autonomes Inklusionsreferat, Iris Schneider, Magdalena Liebe, Melanie Lauffenburger

Stand: April 2023

 

Basisliteratur

Fleeds (2013). Erfolgreiches Permakultur-Element – Kräuterspirale. (03.02.2023). https://fleeds.ch/erfolgreiches-permakultur-element-kraeuterspirale/#:~:text=Die%20Kr%C3%A4uterspirale%20ist%20ein%20dreidimensionales,%3A%20Wasser%2C%20Steine%20und%20Erde.

Hessisches Ministerium fĂĽr Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) (2022). Streuobstwiesen. Wissen rund um das hessische Kulturgut. (02.02.2023). https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2022-07/040722_HMUKLV_Streuobswiesen_Fibel_web_bf.pdf

Hessisches Ministerium fĂĽr Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) (o.J.). Biologische Vielfalt. Die Hessische Streuobstwiesenstrategie. (02.02.2023). https://umwelt.hessen.de/naturschutz/streuobstwiesenstrategie

Keep it grün (2022). Wurmkomposter einfach selber bauen – Anleitung. (14.02.20023). https://keep-it-gruen.de/wurmkomposter/

Mein schöner Garten (2023). Bauanleitung für eine Kräuterspirale. Eine Kräuterspirale im Garten bereichert die Gewürz-Vielfalt Ihrer Küche, denn sie bietet die Möglichkeit, auf kleinstem Raum eine große Kräuter-Vielfalt anzubauen. (03.02.2023) https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/nutzgaerten/bauanleitung-kraeuterspirale-11396

NABU (o.J.). Aus Totholz wird neues Leben. Haufen oder Hecken aus Baum- und Strauchschnitt. (27.01.2023). https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/elemente/25136.html

NABU (o.J.). Das Gold des Gartens. So wird aus Bioabfall Kompost. (03.02.2023). https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/pflege/duengung/24146.html

NABU (o.J.). Es lebe das Totholz. Unterschlupf und Wohnraum fĂĽr Insekten. (03.02.2023). https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/insekten/22649.html

NABU (o.J.). So bauen Sie wirksame Nisthilfen fĂĽr Wildbienen. Gut gemacht statt gut gemeint. (03.02.2023). https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13704.html

NABU (o.J.). Insekten-Nisthilfen selbst anfertigen. Anleitungen fĂĽr verschiedene Insektenhotels. (03.02.2023). https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten-helfen/00959.html

NABU (o.J.). Was ist Streuobstbau? Die Vielfalt der Streuobstbestände prägt die Kulturlandschaft. (03.02.2023). https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/streuobstwissen/streuobstbau.html

NABU (2019). Holzblockhütte für Bienen und Wespen – Nistholz. (03.02.2023). https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/insekten/190624-nabu-bauanleitung-nistholz.pdf

NABU (2019). Single-Apartments für Bienen und Wespen – Niststängel. (03.02.2023). https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/insekten/190624-nabu-bauanleitung-niststa__ngel.pdf

NABU (2019). Villa Hummelhausen – Nistkasten. (03.02.2023). https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/insekten/190624-nabu-bauanleitung-hummelkasten.pdf

NDR (2021). Eine Kräuterspirale bauen und bepflanzen. (03.02.2023). https://www.ndr.de/ratgeber/garten/Eine-Kraeuterspirale-bauen-und-bepflanzen,kraeuterspirale101.html

 

Wissenschaftliche Literatur

âž—Metadaten dieser Lernressource

Falls nicht anders gekennzeichnet, sind die Inhalte der Webrepräsentation des Permakulturgartens am Uni Campus Riedberg unter CC BY-SA 4.0-Lizenz veröffentlicht.

 

 

1Strohbeete stehen in der Kritik, Schimmel- und Pilzsporen zu produzieren, die für Menschen mit Atemwegserkrankungen mitunter bedenklich sein können.